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3. Sonntag des Osterzeit (Joh, 21,1-19)

Die Auferweckung Jesu scheint mittlerweile Vergangenheit. Die Jünger gehen wieder ihren alltäglichen Verpflichtungen nach und befinden sich gerade auf Ihrem vertrauten Fischerboot – so, als hätte es gar keinen Sendungsauftrag gegeben! Dass die Jünger rein gar nichts fangen, unterstreicht noch einmal mehr die dunkle Alltagsstimmung, in der sich die Fischer resigniert wiederfinden. Doch dann entdeckten sie in der Morgendämmerung eine Gestalt am Ufer. Interessanterweise erkundigt sich diese Person nicht nach dem Fangerfolg, sondern, ob sie etwas zu essen hätten! Auf Anraten wird das Netz auf der anderen Seite ausgeworfen. Und – oh Wunder – plötzlich ist es ganz voll. Der Liebblingsjünger erkennt in der Person Jesus, Petrus springt in das Nass und an Land zeigt sich Jesus beim gemeinsamen Mahl als der vom Tod Auferstandene. 

Die Erzählung haben wir gefühlt schon tausendmal gehört. Das liegt allerdings auch daran, dass Johannes hier einige bekanntes Szenen erneut aufgreift und miteinander verknüpft. Dadurch wirkt der Text an vielen Stellen holprig und zum Teil widersprüchlich. Andererseits ermöglicht er so aber auch viele Bezüge: der Ort des Geschehens verweist auf die Brotvermehrungs-Erzählung; wie bei den Emmaus-Jüngern wird Jesus – unerwartet – erst in der unmittelbaren Begegnung und Gemeinschaft voll erfahrbar; Petrus und der „Lieblingsjünger“ befinden sich wie in Joh 20 (als sie zum Grab eilen) in einer Art Wettlauf (dazu gleich mehr).

Johannes skizziert das Wunder auf dem See als ein erläuterndes Praeludium für die sich anschließende Mahlszene: Während Petrus das volle Netz an Land wuchtet, schmort bei Jesus bereits ein Fisch über dem Feuer (mit Brot). Die Stimmung muss geheimnisvoll gewesen sein: Alle spürten, dass es „der Herr“ ist, der mit ihnen Mal hält, „aber keiner traute sich, zu fragen“. Der Auferstandene ist gegenwärtig. Er ist der Herr ihrer Gemeinschaft. In ihm sind sind sie vereint. So wie der „Lieblingsjünger“ durch sein besonderes, inniges Verhältnis bereits auf dem See die Gestalt als den Auferstandenen identifizierte (oder besser: erkannte), erleben nun auch die anderen Jünger diese unmittelbare und tiefe Erkenntnis. Mit anderen Worten: Gottes Geist, wie er im Menschen Jesu Heil in die Welt gebracht hat, lebt nun unter ihnen. Diese dritte Offenbarung Jesu soll seine bleibende Gegenwart in der nachösterlichen Gemeinde verdeutlichen. Ein einfaches zurück in die Boote kann es nach dieser tiefen Erfahrung nicht mehr geben. Die Verhältnisse Maßstab haben sich verschoben: So wie einst bei der Brotvermehrung reicht Quantität nicht mehr: Erst die Qualität der Liebe bringt einen neuen Geist. Die Netze sind von nun an anders auszuwerfen – wenn man sich nicht leer wiederfinden will.

Und so wie das Wunder auf dem See, dieses sonderbare Mahl einleitet, so ergibt sich aus beidem ein Verstehenshorizont für den besonderen Auftrag an Petrus. Auch hier ein Rückbezug: Jesus fragt dreimal nach der Liebe des Petrus – dreimal hatte Petrus Jesus verleugnet. Ihn, der um seine unbedingte Liebe durchzuhalten, selbst vor dem Tod nicht zurückwich und auf Macht setzte. Die Liebe, also Jesus selbst, bleibt der Grund für den Auftrag an Petrus, die Lämmer und Schafe zu weiden und zu hüten. „Weiden, nicht melken“ wie schon Augustinus betonte. Mit dem Auftrag ist folglich keine Herrschaftsstellung oder gar ein Eigentumsrecht verbunden, sondern vielmehr eine immense Verantwortung: Liebe – also der Wunsch, anderen Freiheit zu ermöglichen. Sie bleibt das Zentrum der Gemeinschaft und das Mahl vergegenwärtigt diese gelebte Liebe Gottes real!

Petrus bekommt also einen besonderen Auftrag. Und er will ja auch gerne der erste sein. Aber für eine tiefe Erkenntnis braucht es die Liebe, wie sie der Lieblingsjünger zeigt. Vor dem Hintergrund des Mahls am See wird die dienende Qualität und besondere Verantwortung des Auftrags verstehbar. 

Entscheiden ist also die Liebe. Ohne sie würde Petrus in alte Muster zurückfallen. Ohne sie finden wir uns selbst als Fischer in den alltäglichen Netzen und Routinen wieder – als wäre nichts gewesen, als würde die Auferweckung scheinbar der Vergangenheit angehören.

Aber: Jesus lebt! Unter uns! Wir können den Geist seiner Liebe leben.

Erscheinung_Auferstandene-Joh21
Kategorien: Johannes

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