Fahrstuhl im Kopf

Lk 24,46-53

Wir wissen alle, was „Himmelfahrt“ NICHT bedeutet, aber was bedeutet sie dann?

Beim Lesen des Lukas-Evangeliums ging mir immer wieder das Bild vom Fahrstuhl durch den Kopf: Nicht weil Jesus ein paar Stockwerke nach oben entschwunden ist, sondern weil den Jünger*innen schwindlig geworden sein muss von diesem ständigen Auf und Ab, dem Pendeln zwischen „himmel-hoch jauchenzend“ und zu „Tode betrübt“: Erst bringt Jesus mit seinem ganzen Leben so viel Hoffnung und Heil, dann wird plötzlich alles wieder zunichte gemacht. Es folgen kuriose Erscheinungen und bleibender Zweifel. Rückzug und Auftrag. „Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben.“ Ja was denn nun?

Das Fest Christi Himmelfahrt passt so wunderbar zur Stimmungslage heutiger Christ*innen, die nicht zu allem JA und AMEN sagen können und wollen. Die plastischen Himmelfahrts-Formulierungen im Lukas-Evangelium verstärken eher das skeptisch-mulmige Gefühl. Man kommt sich vor wie in einem zu engen Fahrstuhl, der einen viel zu schnell nach oben oder unten zieht und man hofft, dass endlich die Tür aufgeht.

Für die damaligen Gläubigen waren Lukas’ bildreiche Erklärungen dagegen wie eine OFFENE Fahrstuhltür, mit der man auf eine höhere Ebene gelangen kann: Anders als die anderen Evangelisten greift Lukas auf das Genre „Entrückungsgeschichte“ zurück. Denn Entrückungsgeschichten gab es schon immer. Sie bieten sich einfach an, um das Lebensende eines großen Menschen zu erzählen (im übrigen gibt es sie noch heute in Geschichte und Filmen). Die Bilder sollen verdichtet darstellen, was so unbegreifbar bleibt. Lukas versucht die Ostererfahrung der Jünger zu bündeln und in einem lebendigen und anschaulichen BEKENNTNIS zu formulieren. Ihr habt richtig gehört: Bekenntnis!

Das war auch dringend nötig. Denn angesichts der ausbleibenden Naherwartung im ersten Jahrhundert ging es mit der Hoffnung der Gläubigen schon wieder in den Keller. Es bedurfte einer theologischen Deutung. Lukas bekräftigt mit der Darstellung der Himmelfahrt die Parusie – das Wiederkommen Christi. In der Apostelgeschichte schreibt Lukas: „Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ Zack!

Und die Menschen, die noch mit offenem Mund nach oben schauen kapieren spätestens jetzt, dass sich etwas ereignet hat, das sie zu Akteuren macht – sie bleiben nicht länger nur Zuschauer. Die Fahrstuhlfahrt hat ein Ende. Denn mit der Gewissheit, dass der Herr wiederkommt, geben sie selbst ein tätiges Zeugnis vom auferstandenen und erhöhten Herrn. Wer das Evangelium liest, soll in die gleiche Situation versetzt werden und am bereits anbrechenden Reich Gottes mitwirken.

Lukas setzt also sowohl literarisch als auch theologisch einen pointierten Höhepunkt seines Evangeliums. Dass seine Schilderung dann in späteren Jahrhunderten stärker historisiert wurde, sollte uns nicht davon abhalten zu fragen, WAS Lukas bezeugen wollte. Die Fahrstuhl- bzw. Achterbahnfahrt im Kopf kommt dann alleine zum Ende. Und man wird frei, selbst am Reich Gottes mitzuwirken. Den Segen dazu haben wir!

SketchBibel_himmelfahrt_Lk24,46
Kategorien: Lukas

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