Wenn Jesus im Lukas-Evangelium in aller Deutlichkeit sagt: „Bittet und es wird Euch gegeben!“, dann ist das wieder einer dieser Sätze, die mich erstmal zwei Schritte zurückweichen lassen.

Es klingt so magisch schön, wie ein Wunschzettel, den Kinder kurz vor Weihnachten schreiben. Aber warum ist dann die Welt so brutal und unmenschlich? Was sagt Jesus all den Menschen, die um Frieden bitten, die um Getötete trauern? Welche Worte spricht er zu den Einsamen und Kranken, die unablässig Stoßgebete in den Himmel schicken?
Sagt er denen wirklich noch: „Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht der findet; und wer anklopft dem wird geöffnet?“

Wenn ich diese Worte nicht als bösen Sarkasmus deuten will, bleibt mir eigentlich nur die Möglichkeit, das Gebet als Trotz und „Beharren auf Hoffnung“ zu beschreiben: Im Gebet gebe ich das, was mir lieb und teuer ist, unter keinen Umständen auf: andere Menschen, meine Träume, den letzten Tropfen Zuversicht! Und das in aller Beharrlichkeit!

Zu beten ist eine Einstellung, die mehr erhofft, als die bittere Erfahrung uns täglich lehrt. Wer betet, hält die Hoffnung in der Welt wach. Wer betet, bringt eine größere Wirklichkeit in den Alltag. Denn es geht nicht um das mittelalterliche Prinzip „do ut des“: „Ich gebe (bete), damit Du gibst“, sondern um die ringende Kommunikation mit Gott, in der sich neues Vertrauen und neue Zuversicht bilden kann.

Ich muss mich also korrigieren: Irgendwie ist beten doch ein bisschen wie Zauberei: Nicht weil es etwas herstellt, aber: Weil im Gebet etwas geschieht. In mir kann neue Hoffnung und Zuversicht wachsen. Also etwas, das diese brutale Welt so nötig braucht. Das ist die wohl die Gabe und das Geschenk des Gebets.

Bittebitte
Kategorien: Lukas

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