Weihnachten 2020 hat uns vermutlich näher an die Geburt Jesu herangeführt als uns lieb ist! Das Virus hat viele lieb gewonnene Rituale durchkreuzt und zunichte gemacht. Übrig bleibt nur die erbärmliche Familie aus Betlehem: Ein Vater, der nicht der wirkliche Vater ist, eine viel zu junge Mutter und ein Kind, dass in prekären Verhältnissen geboren wurde. Übrig bleibt eine Familie jenseits von Kitsch und Klischee. Entkleidet aller gesellschaftlicher und religiöser Überhöhung. Heilig ist diese Familie nicht deshalb, weil hier alles richtig läuft oder zumindest die vorgespielte Fassade glänzt. Zum Heil wird sie, weil aus der hintersten Ecke, aus dem tiefsten Dunkel aus dem erbärmlichsten Situation Hoffnung wächst. Zwei sehr alte Menschen erkennen im Evangelium dieses doch eigentlich kaum zu erkennende Heil. Simeon und Hanna – ein Prophet und eine Prophetin. Zwei alte Menschen, die das Hoffen trotz ewigen Wartens nicht aufgegeben haben. Eine Hoffnung, die für sie nur noch verschwindend klein war. Es ist schon erstaunlich, dass gerade diese beiden Alten in einem kleinen Kind unbedeutsamer Eltern das ersehnte Heil entdecken wollen. Vielleicht weil sie bereits alles gesehen hatten. Weil sie wussten, das das meiste doch immer nur Blendwerk ist. So konnten sie sich ganz dem Leisen, Unscheinbaren und Kleinen öffnen.

Kategorien: Lukas